Equal Care Day Südtirol 2025
Am 1. März wird der Equal Care Day begangen – ein Aktionstag, der auf die ungleiche Verteilung der Sorge- und Pflegearbeit aufmerksam macht.
In Südtirol organisierte die Allianz für Familie in Zusammenarbeit mit dem Landesbeirat für Chancengleichheit für Frauen sowie der Stadt Bozen zu diesem Anlass am Freitag, 28.02.25, eine Matinée im Palais Widmann, bei der Expert:innen und Betroffene aus verschiedenen Bereichen ihre Perspektiven und Erfahrungen zur Sorgearbeit teilten. Ziel dieses internationalen Tags ist es, ein größeres Bewusstsein für diese meist unsichtbare und unbezahlt geleistete Arbeit zu schaffen – die zum Großteil von Frauen geleistet wird.
Sorgearbeit ist weiblich – und mit ihr auch Teilzeitarbeit und Altersarmut
Sorge- und Pflegearbeit in den Familien wird größtenteils von Frauen übernommen – sei es in der Kindererziehung, im Haushalt oder in der Pflege von Angehörigen. In Italien beispielsweise leisten Frauen täglich rund 5 Stunden und 9 Minuten unbezahlte Care-Arbeit, während Männer 1 Stunde und 48 Minuten dafür aufwenden. Diese ungleiche Last hat weitreichende Konsequenzen: Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, was sich negativ auf ihr Einkommen und ihre Rentenansprüche auswirkt. In Südtirol sind laut ASTAT fast 63 Prozent der berufstätigen Mütter teilzeitbeschäftigt, bei den berufstätigen Vätern nur 4 Prozent. Altersarmut ist oft eine direkte Folge dieser strukturellen Ungerechtigkeit: „Die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit hat nicht nur kurzfristige Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, sondern zieht langfristige Konsequenzen nach sich. Frauen, die über Jahre hinweg in Teilzeit arbeiten oder aus dem Berufsleben ausscheiden, erhalten im Durchschnitt deutlich niedrigere Renten als Männer”, erklärt Christa Ladurner, Soziologin im Forum Prävention. In Südtirol liegt die durchschnittliche Rente von Frauen in der Privatwirtschaft bei 946€, wohingegen sie bei Männern bei 1761€ liegt, ein Gap von 37,6 Prozent.
Arno Kompatscher, Landeshauptmann und für die Chancengleichheit zuständiger Landesrat, unterstrich in seiner Einführung: „Bereits in der Arbeit zum Gleichstellungsaktionsplan ÆQUITAS haben wir festgehalten, dass die ungleiche Verteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit die eigentliche Ursache für viele weitere Ungleichheiten, finanzielle Abhängigkeiten und Altersarmut von Frauen ist – und dass nicht zuletzt der Mental Load – also die ständige Stresssituation, immer alles im Griff und bestens organisiert zu haben – für die Frauen auch ein großes gesundheitliches Risiko mit sich bringt.“ Hier müsse dringend angesetzt werden für eine gerechtere Welt.
„Das eigentliche Problem ist, dass wir die Pflegearbeit zu lange romantisiert haben, anstatt sie zu problematisieren. Pflegearbeit ist nicht romantisch. Sein berufliches Projekt aufzugeben, um zu Hause bei Kindern oder älteren Menschen zu bleiben, ist nicht immer schön. Es ist nicht immer eine Wahl, sondern eine Notwendigkeit”, bekräftigt Nadia Mazzardis, Vizepräsidentin des Landesbeirats für Chancengleichheit für Frauen.
Matinée im Landhaus: Zahlen, Daten und Fakten, die wachrütteln
Bei der Veranstaltung am Equal Care Day Südtirol wurden aktuelle Zahlen und Fakten präsentiert, die die Ungleichverteilung der Sorgearbeit und deren finanzielle Konsequenzen aufzeigen – ein starkes Zeichen für mehr Gerechtigkeit. Politiker:innen, Expert:innen und Betroffene kamen zusammen, um Bewusstsein für dieses drängende Thema zu schaffen. “Wir wollen die strukturellen Bedingungen verbessern, um Sorge-, Erziehungs- und Pflegearbeit fairer zu verteilen und die gesellschaftliche Anerkennung zu stärken.”, sagt Christa Ladurner.
Der Aktionstag wurde von der Allianz für Familie in Zusammenarbeit mit dem Landesbeirat für Chancengleichheit sowie der Stadt Bozen organisiert mit freundlicher Unterstützung der Familienagentur und der Stiftung Südtiroler Sparkasse.
Allianz für die Familie/ap




